Inhaltsverzeichnis
- Was ist ein Sub-Lease?
- Klassifizierung des Sub-Lease
- Bilanzierung beim Zwischenleasinggeber
- Bilanzierung beim Endleasingnehmer
- Praktisches Beispiel
- Häufige Fehler in der Praxis
- Vergleich: HGB vs. IFRS 16
1. Was ist ein Sub-Lease?
Ein Sub-Lease (Untermietverhältnis) entsteht, wenn ein Leasingnehmer den geleasten Vermögenswert ganz oder teilweise an einen Dritten weitervermietet – und dabei selbst weiterhin an seinen ursprünglichen Leasinggeber gebunden bleibt.
Es gibt also drei Parteien:
Ursprünglicher Leasinggeber (Head Lessor) ↓ Head-LeaseZwischenleasinggeber / Intermediate Lessor ↓ Sub-LeaseEndleasingnehmer (Sub-Lessee)
📌 IFRS 16 Appendix A – Definition: „A transaction in which an underlying asset is re-leased by a lessee (‚intermediate lessor‘) to a third party, and the lease (‚head lease‘) between the head lessor and lessee remains in effect.“
Typische Praxisfälle:
- Konzerninternes Leasing (Muttergesellschaft least zentral, gibt weiter an Tochtergesellschaften)
- Unternehmen mietet Bürofläche und vermietet Teile davon unter
- Sale-and-Leaseback mit anschließender Weitervermietung
2. Klassifizierung des Sub-Lease
Die Klassifizierung entscheidet alles – sie bestimmt, wie der Zwischenleasinggeber das Sub-Lease bilanziert.
Die zentrale Regel (IFRS 16.B58):
Der Zwischenleasinggeber klassifiziert das Sub-Lease nicht anhand des zugrunde liegenden Vermögenswerts, sondern anhand des ROU-Assets aus dem Head-Lease.
Das ist ein wichtiger Unterschied zur normalen Leasinggeberbilanzierung!
Klassifizierungskriterien (analog IFRS 16.62 i.V.m. IFRS 16.B58):
Frage: Werden im Wesentlichen alle Risiken und Chancen am ROU-Asset auf den Sub-Lessee übertragen? JA → Finanzierungsleasing NEIN → Operating-Leasing
Indizien für Finanzierungsleasing (IFRS 16.63):
| Indiz | Erläuterung |
|---|---|
| Laufzeit deckt wesentlichen Teil der Restlaufzeit des ROU-Assets | z.B. Sub-Lease über 8 von 10 verbleibenden Jahren |
| Barwert der Zahlungen ≈ Fair Value des ROU-Assets | Wirtschaftliche Vollübertragung |
| Kaufoption hinreichend sicher ausgeübt | Sub-Lessee wird wirtschaftlicher Eigentümer |
| Spezialisierter Vermögenswert | Nur vom Sub-Lessee ohne wesentliche Modifikation nutzbar |
3. Bilanzierung beim Zwischenleasinggeber
Der Zwischenleasinggeber hat zwei Verhältnisse gleichzeitig zu bilanzieren:
3.1 Head-Lease (als Leasingnehmer)
Wie jeder normale Leasingnehmer unter IFRS 16:
- ROU-Asset in der Bilanz
- Leasingverbindlichkeit in der Bilanz
📌 IFRS 16.B57 – Der Zwischenleasinggeber bilanziert den Head-Lease und den Sub-Lease getrennt voneinander.
3.2 Sub-Lease als Finanzierungsleasing
Das ROU-Asset aus dem Head-Lease wird ausgebucht und durch eine Nettoinvestitionsforderung ersetzt.
Buchung bei Beginn des Sub-Lease:Nettoinvestitionsforderung (Sub-Lease) SOLL an ROU-Asset (Head-Lease) HABEN
Laufende Buchungen:
- Zinserträge aus der Forderung (Effektivzinsmethode)
- Weiterhin: Zinsaufwand + Tilgung auf die Head-Lease-Verbindlichkeit
- Kein Abschreibungsaufwand mehr auf das ROU-Asset
📌 IFRS 16.67 – Der Leasinggeber erfasst beim Finanzierungsleasing eine Forderung in Höhe des Nettoinvestitionswerts, nicht den Vermögenswert selbst.
3.3 Sub-Lease als Operating-Leasing
Das ROU-Asset verbleibt in der Bilanz des Zwischenleasinggebers.
Laufende Buchungen:1. Head-Lease: Zinsaufwand + Tilgung der Verbindlichkeit + Abschreibung des ROU-Assets2. Sub-Lease: Lineare Vereinnahmung der Leasingzahlungen als Ertrag
⚠️ Wichtig: Es kann zu einer GuV-Asymmetrie kommen, wenn das Abschreibungsprofil des ROU-Assets nicht mit dem Ertragsprofil des Sub-Lease übereinstimmt.
4. Bilanzierung beim Endleasingnehmer (Sub-Lessee)
Der Sub-Lessee behandelt das Sub-Lease wie jedes andere Leasingverhältnis – er schaut ausschließlich auf seinen Vertrag mit dem Zwischenleasinggeber.
- Prüfung: Liegt überhaupt ein Leasingverhältnis vor? (IFRS 16.9)
- Erstansatz: ROU-Asset + Leasingverbindlichkeit
- Laufzeit: Laufzeit des Sub-Lease (nicht des Head-Lease!)
- Zinssatz: Grenzfremdkapitalzinssatz, sofern impliziter Zinssatz nicht bestimmbar
📌 IFRS 16.26(b) – Kann der dem Sub-Lease zugrunde liegende Zinssatz nicht ohne Weiteres bestimmt werden, verwendet der Sub-Lessee seinen Grenzfremdkapitalzinssatz.
5. Praktisches Beispiel
Sachverhalt:
Die Alpha AG (Zwischenleasinggeber) hat am 1.1.2022 ein Bürogebäude für 10 Jahre geleast (Head-Lease). Jährliche Rate: € 200.000, Zinssatz: 3 %. Das ROU-Asset beträgt zum 1.1.2024 noch € 1.340.000, die Leasingverbindlichkeit noch € 1.400.000 (nach 2 Jahren Laufzeit).
Am 1.1.2024 vermietet die Alpha AG das Gebäude vollständig für 8 Jahre an die Beta GmbH (Sub-Lessee) unter. Jährliche Sub-Leasingrate: € 210.000, Zinssatz: 3,5 %.
Schritt 1: Klassifizierung des Sub-Lease
| Kriterium | Beurteilung |
|---|---|
| Laufzeit Sub-Lease vs. Restlaufzeit ROU-Asset | 8 von 8 verbleibenden Jahren = 100 % |
| Barwert der Sub-Lease-Zahlungen | ≈ Fair Value des ROU-Assets |
→ Ergebnis: Finanzierungsleasing (IFRS 16.63(a))
Schritt 2: Buchung bei Alpha AG zum 1.1.2024
Barwert der Sub-Lease-Forderung:
BW = 210.000 × [(1 - (1,035)^-8) / 0,035]BW = 210.000 × 6,8740BW = € 1.443.540
| Buchung | Soll | Haben |
|---|---|---|
| Nettoinvestitionsforderung | € 1.443.540 | |
| ROU-Asset | € 1.340.000 | |
| Ertrag aus Sub-Lease (Buchgewinn) | € 103.540 |
Schritt 3: Laufende Buchungen Alpha AG – Jahr 2024
Head-Lease (Verbindlichkeit):
- Zinsaufwand: € 1.400.000 × 3 % = € 42.000
- Tilgung: € 200.000 − € 42.000 = € 158.000
Sub-Lease (Forderung):
- Zinsertrag: € 1.443.540 × 3,5 % = € 50.524
- Forderungsminderung: € 210.000 − € 50.524 = € 159.476
GuV-Ausweis Alpha AG 2024:
| Position | Betrag |
|---|---|
| Zinsertrag (Sub-Lease) | + € 50.524 |
| Zinsaufwand (Head-Lease) | − € 42.000 |
| Nettoeffekt | + € 8.524 |
6. Häufige Fehler in der Praxis
| Fehler | Richtigstellung |
|---|---|
| Klassifizierung anhand des Vermögenswerts | Maßgeblich ist das ROU-Asset, nicht der Vermögenswert selbst (IFRS 16.B58) |
| Head-Lease und Sub-Lease saldiert | Beide sind getrennt zu bilanzieren (IFRS 16.B57) |
| Sub-Lessee berücksichtigt Head-Lease-Laufzeit | Sub-Lessee schaut nur auf seinen Vertrag (IFRS 16.19) |
| GuV-Asymmetrie bei Operating Sub-Lease ignoriert | Abschreibung ROU-Asset ≠ lineare Erträge – bewusst planen! |
| Fehlende Anhangangaben | IFRS 16.94 verlangt spezifische Angaben zu Sub-Lease-Erträgen |
7. Vergleich: HGB vs. IFRS 16
| Aspekt | HGB | IFRS 16 |
|---|---|---|
| Bilanzierung beim Zwischenleasinggeber | Weitervermietung = operatives Mietverhältnis, ROU-Asset existiert nicht | Getrennte Bilanzierung von Head-Lease und Sub-Lease zwingend |
| Klassifizierungsgrundlage | Keine vergleichbare Systematik | ROU-Asset des Head-Lease ist maßgeblich |
| Transparenz | Gering – Off-Balance-Effekte möglich | Hoch – vollständige Abbildung aller Leasingverhältnisse |
| Konzerninternes Leasing | Oft pauschal als Miete behandelt | Klare Regelung über Zwischenleasinggeber-Rolle |